#12 Hochsensibilität

abgrenzen oder zulassen

Sensitivität ist nicht die Ursache für ein Problem. Ein schlechter Umgang damit könnte es durchaus sein. Doch ist es wirklich die beste Lösung, sich permanent um Abgrenzung zu bemühen, um nicht unter der Masse an Informationsflut zu leiden?

 

Doch vorweg eine kurze Aufklärung darüber, was Hochsensibilität bedeutet: Man geht davon aus, dass ca. 20 % der Bevölkerung (Frauen sowie Männer) eine hochsensitive bzw. hochsensible Wahrnehmung haben. Highly-Sensitiv-Person (Abk. hsp) lautet der Fachbegriff, welcher besagt, dass betroffene Menschen eine viel intensivere Wahrnehmung haben als Menschen mit einer normal-sensiblen Wahrnehmung.


Gemeint ist die Verarbeitung aller Informationen, welche über unsere Sinne aufgenommen werden. Ganz simpel erklärt: Hochsensible Menschen nehmen viel (!) mehr wahr, als normal-sensible Menschen das tun. Sie riechen, schmecken, sehen, hören, fühlen mehr, was zu mehr Informationsverarbeitung führt, was wiederum mehr Denkarbeit auslöst. Und dabei handelt es sich nicht um Einbildung sondern um eine Tatsache*. Nimmt ein normal-sensibler Mensch das Geräusch eines vorbeifahrenden Transporters kurz ein wenig wahr, kann es sein, dass ein hochsensibler Mensch neben ihm, das Motorengeräusch längst als sehr laut und störend empfindet. 


normal-sensibel: "Hier hat jemand eine Bananenschale weggeworfen ... wegen dem Deppen bin ich jetzt ausgerutscht!"

hochsensibel: "Wer hat hier, vor allem Warum diese Bananenschale weggeworfen? Und Warum bin genau ich auf dieser ausgerutscht?"


Was für den einen normal ist, kann für den anderen un-normal sein. Diese Definition - Bewertung - finden wir in allen Menschentypen und egal ob hochsensibel oder normal-sensibel, alles was uns fremd ist wird nur allzu gern als un-normal bezeichnet. Die Angst vor dem Unbekannten kennt vermutlich jeder?! Doch nur weil 'ich es nicht kenne', muss es nicht falsch sein. Und sich vor Neuem zu verschließen ist keine erfolgsbringende Option, ganz im Gegenteil. absichtl!ch verweise ich an dieser Stelle auf die Entwicklung einer guten Selbsterkenntnis und Selbstführung

 

„Du übertreibst. Du steigerst dich da zu sehr rein!“ Diese und ähnliche Ratschläge bekommen hochsensible Menschen sehr oft zu hören. Zuerst von ihren Eltern, dann von ihren Freunden und später von ihren Vorgesetzten. Hochsensible grübeln, spüren nach, hinterfragen, bis alle Warum‘s und Wieso’s nachvollzogen werden können. Dieses Verhalten ist für sie Alltag, jedoch für normal-sensible Menschen meist anstrengend oder übertrieben. 

 

Auch tiefsinnige Gespräche über Gefühle und Gedanken der Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit sind bei hochsensiblen Menschen normal. Genauso wie der ewige Wunsch nach Harmonie und das Verlangen nach einem perfekten Leben, mit einem perfekten Partner, einem sinngebenden Arbeitsplatz, einem gesunden Körper, eine glückliche Familie und Freunde die einen mögen wie man ist. Übertrieben? Nein, für hochsensible ganz normal und noch lange nicht alles - die Welt kann nicht perfekt genug für sie sein. ;-) Dafür sind sie auch bereit sehr viel zu leisten!

 

Normal-sensibel oder hochsensibel, es gibt kein besser oder schlechter. Entscheidend ist der persönliche sowie gemeinsame Umgang. Und dabei sollten wir nicht vergessen, dass normal-sensible Menschen in der Überzahl (80 %) sind, und, dass sie aufgrund ihrer Wahrnehmung nur schwer nachvollziehen können, wie sich die Wahrnehmung eines Hochsensiblen anfühlt. Es lässt sich erklären und in Beispielen näher bringen, doch nie hautnah erfahren.

 

Die Wahrnehmung sorgt bei Hochsensiblen für eine detailreiche Wahrnehmung. Farben, Gerüche, Geräusche, Worte, Gestik, jegliche Details und feinste Nuancen werden erfasst. Daraus ergibt sich für sie ein Gesamtbild, was meist detailreich erklärt und besprochen werden möchte. Normal-sensible Menschen hingegen erfassen einen Bruchteil dessen und haben meist weniger Interesse daran, sich über 'unnötige' Kleinigkeiten Gedanken zu machen.

 

Was ist besser? Auf diese Frage antworte ich gerne mit folgender Gegenfrage: Was war zuerst, Ei oder Huhn und wer ist wichtiger?

In meinen Firmen-Trainings mit Mitarbeitern/Teams zählt dabei in bestimmten Themenbereichen beispielsweise nicht die Art der Wahrnehmung jedes Mitarbeiters sondern was wichtiger ist, ist der jeweils optimale Platz für die entsprechende Aufgabe mit der richtigen Person.

 

Die Intensität vom Empfinden und Denken eines Hochsensiblen hat einen besonderen Mehrwert: Diese Form der Wahrnehmung lässt Potentiale zu, welche bei positiver Entwicklung großen Mehrwert für die Persönlichkeit und dessen Umfeld (Familie, Unternehmen, Organisationen ...) bereithält. 

 

Beispiele:

- vernetztes Denken

- Organisationstalent

- hohe Empathiefähigkeit

- Kommunikationsfähigkeit

- Kreativität, Ideenvielfalt

- Beziehungskompetenz

- Genauigkeit

... uvm.

 

Die Kehrseite: Bleibt diese empfindsame Art der Wahrnehmung unerkannt oder wird versucht, einem hochsensiblen Menschen beizubringen, sich normal-sensibel zu verhalten, wird die betreffende Person sich selbst mehr und mehr als ‚nicht richtig‘ empfinden! Der innere Drang nach verstanden werden wollen und perfekt sein zu wollen bleibt, doch negative Entwicklung löst negative Ergebnisse sowohl physisch als auch psychisch aus.


 Die gute Nachricht: Menschen mit einer hohen Sensibilität werden nicht ängstlich, depressiv oder neurotisch geboren!

Die Schlechte: Unangemessenes Verhalten sich selbst gegenüber oder im persönlichen Umfeld führt jedoch leicht dazu.


Wer sich als Hochsensibler mit seiner Wahrnehmung NICHT bewusst auseinandersetzt und NICHT lernt diese von anderen zu unterscheiden, zu reflektieren, zu kontrollieren und zu führen, leidet meist sehr. Häufig zeigt es sich durch Symptome wie übermäßige Angst, emotionale Überforderung oder erhöhter Stress durch zu viel Arbeit (familiär als auch beruflich). In solchen Zeiten lernen hochsensible Menschen vermehrt 'sich abzugrenzen'. Es gibt dafür zahlreiche mentale, körperliche und energetische Methoden, welche mit etwas Übung rasch Wirkung zeigen können.

 

Doch ist es für Hochsensible nun gut, sich (immer mehr) abzugrenzen? In besonderen Situationen hilft es, doch in einigen Fällen kann es zu weiteren Belastungen führen. Eine Beobachtung, die ich seit vielen Jahren bei Kunden und Events mache. Vielen fällt nicht auf, dass sie bei Abgrenzung in eine Abwehrhaltung gehen. Weiters sorgt Abgrenzung für Distanz und lässt Unsicherheit wachsen. Stress und noch mehr Angst können die Folgen sein.

 

Hochsensible Menschen übersehen dabei oft Chancen auf Erfolg, weil sie zu sehr damit beschäftigt sind sich abzugrenzen.

 

Wer sich Leichtigkeit, Harmonie und ein Gefühl von Sicherheit wünscht, dem empfehle ich Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen zu entwickeln; und sich zu öffnen. (Dabei werden belastende Themen sichtbar, weshalb ich zur professionellen Unterstützung rate, um zielführend zu handeln.) Abgrenzung macht langfristig klein und löst die Ärgernisse keineswegs. Vertrauen, Akzeptanz (und dabei meine ich nicht Zustimmung) und aktives Handeln fördert dagegen die innere Ruhe und vor allem ein positives Selbstbild. Hochsensible sollten sich daher weniger mit dem Abgrenzen und mehr mit dem Entwickeln von Authentizität, Klarheit und Selbst-Führung beschäftigen.

 

Wer Fülle (offen sein) erwartet, sollte nicht an Mangel (abgrenzen) festhalten. Die Zukunft gestalten und nicht erleiden. Als ich Joschka Fischer diese Aussage machen hörte, dachte ich an die Menschen, die nach wie vor ihre fantastische Wahrnehmung als Problem sehen – anstatt sich der Erfolgsgaranten die sich darin verbergen zu bedienen!

 

In meinen Trainings entwickeln wir deine authentische Persönlichkeit. Und ich zeige dir, wie du deine hochsensible Wahrnehmung erfolgreich im Leben nutzen kannst:

 

+ Akademie-Ausbildung: highly sensitiv person - Spezialausbildung

 

absichtl!ch sensible Grüße ;-)

Gabriele Fasching

 

 

*Die bekannteste Expertin hierfür ist Psychologin Dr. Elaine Aron.